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Odyssea Ansätze einer interkulturellen Pädagogik

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1.6 Auswirkungen auf die Schule

Für viele Kinder von Einwanderern, die nicht aus dem westlichen Kulturkreis kommen, ist das neue Leben eine radikale Umstellung. Sie werden mit einer neuen Kultur konfrontiert, die Sprache ist anders, die Sitten und Gebräuche sind anders usw. Die zugezogenen Familien und besonders die Kinder müssen in den ersten Wochen und Monaten so viel neue Dinge kennenlernen, dass es für neue Einflüsse gar keinen Platz mehr bleibt. Auch die Schule ist ein neuer Einfluss. Oft meinen wir als Lehrer das neue Kind wolle sich nicht in die Klasse integrieren oder wolle nichts lernen. Dabei vergessen wir, dass es für diese Kinder im Moment viel wichtigeres zu tun gibt, als den Schulstoff zu büffeln.
Für viele Ausländerfamilien ist die Aufenthaltsdauer unbekannt. Die Familie will oder muss vielleicht schon nächsten Monat gehen, vielleicht aber erst in einem Jahr oder gar in 10 Jahren. Diese „Übergangslösung“ ist für die meisten Kinder keine Motivation die Sprache und die Sitten unseres Landes zu übernehmen. Auch schulisch besteht kein Anreiz z.B. den Übertritt in die Sek zu schaffen, wenn nicht einmal klar ist, ob man die Sek auch fertig abschliessen kann. Das zeigt folgendes Beispiel:

Selamine ist sechs und kommt aus Zaire. Er geht in die erste Klasse und spricht gut Französisch. Er lebt mit seinen Eltern, die in der Schweiz Asyl beantragten, und seiner kürzlich geborenen Schwester in einem Hotelzimmer. Seit einiger Zeit weiss Selamine, dass man seine Familie aus der Schweiz ausweisen wird. Sein Verhalten ändert sich, er wird ängstlich und nervös. Manchmal ist er tief niedergeschlagen, dann wieder so aggressiv, dass die Lehrerin ihn kaum bändigen kann.
Eines Morgens gerät er während der Pause völlig ausser sich:
Er schreit und gestikuliert, ruft nach seinem Vater und läuft kreuz und quer über den Platz. Niemand versteht, was da vor sich geht. Die anderen Kinder sind erschrocken, die Pausenaufsicht versucht, ihn festzuhalten und zu beruhigen. Doch er entwischt ihr und flieht völlig verwirrt aus dem Hof auf die Strasse. Später wird er erzählen, was da passiert ist. Er hat zwei Polizisten auf den Pausenplatz kommen sehen, die wie jedes Jahr die Kinder in Verkehrserziehung unterrichten sollen. Aber er glaubte, die Polizisten seien gekommen, um ihn wegzubringen. Seither scheint er sich für die Aktivitäten der Klasse nicht mehr zu interessieren. Er ist brav, allzu brav, macht aber keine Fortschritte mehr beim Lesen. Da ist nichts zu machen. Er sorgt sich zu sehr, wie es weiter gehen wird.

Von den ausländischen Familien wird die Schule als ein Teil des Staatsapparates empfunden. Also dieser Instanz, die über die Aufenthaltsdauer bzw. das Erhalten der Schweizerpässe entscheidet. Das führt zu einem Misstrauen gegenüber der Schule.
Die Schule wird auch oft als Fremdkörper in der Erziehung empfunden. Besonders problematisch sind Familien aus islamischen Staaten, deren Töchter in eine Schweizer Schule gehen. Vor allem islamisch fundamentalistisch orientierte Eltern finden die Schulbildung von Frauen und Mädchen nutzlos und reine Zeitverschwendung. Da die Mädchen während der Schulzeit keine Zeit für den Haushalt haben. Oft leiden dann auch die Hausaufgaben darunter. Solche Familien sind natürlich Extremfälle, die wir von der Schule aus nicht oder nur sehr wenig beeinflussen können. Ganz allgemein ist es aber wichtig, dass wir den Eltern das Gefühl geben ihr Teil der Erziehung sei wichtig. Es sollte auf gar keinen Fall zu einer Bevormundung kommen, denn dann sind Konfrontationen vorprogrammiert. Im Falle einer Konfrontation müssen wir gewisse Dinge akzeptieren, auch wenn es uns als Lehrkräfte schwer fällt. Z. B. wenn ein Kind aus kulturellen Gründen eine Schulreise nicht mitmachen darf.
  
Anerkennung und Ausgrenzung: Deutschland als multikulturelle Gesellschaft
Siehe auch:
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